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Ankündigung
Mitte September haben wir gemeinsam mit Tacto diskutiert, welche Rolle Indien heute in europäischen Lieferketten spielt. Das Bild ist eindeutig, aber einseitig: Die Hälfte kauft bereits in Indien ein, vor Ort produzieren dagegen nicht einmal ein Fünftel. Die häufigste Sorge, genannt von 76 Prozent: die Qualitätssicherung bei Lieferanten. Unsere Erfahrung mit Unternehmen, die bereits vor Ort sind, ist eine andere: Dort gilt Qualität nicht als Grund gegen Indien, sondern als Aufgabe, die sich mit der richtigen Lieferantenauswahl, Audits und eigener Präsenz lösen lässt. Die Hürde liegt vor allem beim Einstieg.
Vier Punkte nehmen wir aus der Diskussion mit:
Der Business Case muss aus sich heraus tragen. Es wird davon ausgegangen, dass das EU-Indien-Abkommen 2027 in Kraft tritt und die Zölle für viele Warengruppen deutlich sinken. Das verbessert die Rechnung, ersetzt sie aber nicht. Eine Standortentscheidung muss mit realistischen Annahmen zu Kosten, Qualität und Lieferzeiten funktionieren, nicht mit dem günstigsten denkbaren Szenario.
Abwarten ist keine neutrale Option. Zwischen Lieferantensuche, Audit und stabiler Serienbelieferung liegen schnell zwölf bis achtzehn Monate. Wer heute qualifiziert, hat seine Lieferkette stehen, wenn die Zölle sinken. Wer bis dahin wartet, beginnt dann erst mit der Suche.
Indien ist nicht ein Standort, sondern drei. Als Beschaffungsmarkt zählen Lieferantenqualität und Gesamtkosten, als Produktionsstandort Infrastruktur, Rechtssicherheit und der Zugang zum Binnenmarkt, als Entwicklungsstandort die Ingenieurskompetenz. Welche Rolle passt, hängt davon ab, wo ein Unternehmen in seiner Wertschöpfung steht und was es dort braucht.
Geopolitik ist Motivation und Risiko zugleich. 40 Prozent der Teilnehmenden schauen auf Indien, um ihre Abhängigkeit von China zu verringern – fast genauso viele, 39 Prozent, nennen geopolitische Unsicherheit als Bedenken. Beides ist berechtigt. Indien schließt sich keinem Lager an, sondern verfolgt konsequent die eigenen Interessen, mit Russland ebenso wie mit dem Westen. Das macht das Land nicht unberechenbar, sondern berechenbar auf eine andere Art: Wer Indien als Partner mit eigener Agenda versteht, kann damit planen. Wer es als Ersatz-China oder als verlässlichen Verbündeten einplant, wird enttäuscht.
Den ausführlichen Beitrag von Tacto finden Sie hier, die Aufzeichnung des Webinars hier. Wie das Abkommen über den Handel hinaus zur Partnerschaft werden kann, haben wir in der Internationale Politik beschrieben.
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